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Mrz

Aus der Praxis: „Leading virtual teams“ – wie Sie globale Teams vernetzt führen und produktiv halten.

Ein Einblick in unsere Arbeit …

Morgens 08:30 Uhr im Workshopraum in einem großen Tagungshotel in Süddeutschland: Die Gruppe kommt zusammen, frisch eingeflogen aus aller Welt, Teilnehmer aus den USA, aus Asien, Südamerika und Deutschland. Sie sind ab jetzt ein Team, auf dem Papier im Organigramm bereits seit ein paar Wochen. Kennen gelernt haben sie sich am Vorabend beim Dinner.
Im Raum ist Aufregung spürbar. An den beiden Workshoptagen soll eine Menge geklärt werden, tieferes Kennenlernen stattfinden, Rollenabgrenzungen gefunden und Schnittstellen definiert werden. Ein gemeinsamer Modus für die Zusammenarbeit soll entstehen, der in der Verteilung der Teams auf vier Länder reibungslos funktioniert. Reisebudgets sind knapp, solche Zusammentreffen können ausschließlich ein- maximal zweimal jährlich stattfinden. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen, welche sich in einer prall gefüllten Workshopagenda zeigen. Beim „Klimabarometer“ am Anfang des Workshops ist zum Thema „Wie geht’s mir aktuell mit der neuen Teamstruktur?“ alles dabei, von „mir wird alles zuviel“ bis „hochzufrieden, ich freue mich auf das, was kommt“.

Besondere Herausforderungen globaler Teams

Globale Teams sind meist Expertenteams, die interkulturell zusammen gestellt sind und den Vorteil bieten, dass sie weltweit mit hoher Vernetzung und rund um die Uhr an Projekten oder Produkten arbeiten können.

Meist stehen sie vor den gleichen Herausforderungen:
  • Wie schaffen wir es, Begegnung und ein gutes Zusammenspiel über die Zeit zu halten, obwohl wir uns fast nie sehen?
  • Wie können wir uns gut synchronisieren und uns gegenseitig auf dem Laufenden halten?
  • Wie stellen wir sicher, dass wir lokale Anforderungen und Anpassungen unter einen Hut bekommen mit konzernweiten Vorgaben und Prozessen?
  • Wie treffen wir gemeinsam Entscheidungen, die von einer klaren Linie geprägt sind, damit kein Chaos entsteht?

Für Führungskräfte heißt das erhöhte Aufmerksamkeit.
In global arbeitenden Teams ist im Vergleich zu lokalen Teamstrukturen die Wahrscheinlichkeit höherer Reibungsverluste in der Zusammenarbeit gegeben. Probleme und Konflikte im Miteinander können nicht so schnell erkannt werden, oft stehen Sprachbarrieren im Weg, störende Themen wirklich offen auszusprechen. Es braucht besonders aufmerksame Führungskräfte, die Bindung zu ihren Mitarbeitern aufbauen, mit hohem Vertrauen führen und bei sich anbahnenden Konflikten schnell reagieren und gemeinsam Lösungen finden.

Globale Teams erfordern von den Teammitgliedern:
  • Hohe Kommunikationsfähigkeit, insbesondere unter Berücksichtigung der Zeitzonen
  • Den Blick über den Tellerrand, Entscheidungen nicht nur für den eigenen Verantwortungsbereich zu treffen, sondern zeitgleich die Interessen der anderen Länder mitzudenken und einzubeziehen
  • Eine hohe Offenheit gegenüber der Vielfalt und Interkulturalität
  • Die Fähigkeit Kommunikationsmedien effektiv und zielgerichtet einzusetzen
  • Ein vernetztes Führungsteam, das in geteilter Verantwortung führt
Führung par excellence: globale Teams brauchen ein extrem gut vernetztes Führungsteam

Die Anforderungen globaler Führungsteams erfordern vernetzte und starke Führungsteams.
Besonders wirkungsvoll zeigt sich die Verteilung der Führungsfunktion auf verschiedene Teamleiter vor Ort und einen zentralen Leader, der das Führungsteam strategisch führt. Wenn die Teamleiter aktiv in ihre Rolle gehen und das Bindeglied darstellen zwischen Mitarbeiter und Zentrale, erster Ansprechpartner sind für ihre Teams und bei Problemen das Führungsteam nutzen, um bereichsübergreifende Entscheidungen zu treffen, kann ein globales Team sehr hohe Produktivität zeigen.

Führungskräfte, die empowern und ihre Teams in die Kraft und Selbstverantwortung bringen, sind hier gefragt. Gerade in Phasen von Veränderungen gilt es, gemeinsam die Teams durch den Change zu führen, Sorgen und Widerstände frühzeitig zu erkennen und im Dialog zu versorgen. Sowie Transparenz herzustellen über die gemeinsamen globalen Aktivitäten und Erfolge, damit das Konstrukt globales Team auch als gefühlte Einheit Wirkung bekommt und nicht nur auf dem Papier als ein Team besteht.

Gemeinsamer Kick-Off, regelmäßige Team-Boxenstopps und Führungsteam-Meetings halten die Teamproduktivität auf hohem Level

Sie erinnern sich an das globale Team zu Beginn unseres Artikels? In diesem Fall haben wir nach zwei gemeinsamen Tagen Workshoparbeit die Rückmeldung bekommen, dass durch die Begegnung und das Kennenlernen und gemeinsames Entwickeln von Vision, Mission und Selbstverständnis das Team eine lebendige Form bekommen hat und somit die Basis gelegt war zum gemeinsam Durchstarten.

Die Leitplanken der Zusammenarbeit wurden gefestigt, kritische Themen und Bedenken besprochen, das Modell der neuen Rollen und möglicher Überlappungen mutig und kreativ von den Teilnehmern auf die Bühne gebracht, sowie Projekte und nächste Schritte geplant. Die Teilnehmer nutzten die gemeinsame Zeit bis zur letzten Minute mit hoher Konzentration, um das neue Team zu gestalten.
Im Debrief reflektierte das Führungsteam mit unserer Unterstützung über die gemeinsame Führungsrolle und relevante Muster und Dynamiken, die es im Blick zu halten gilt, um das Team in gemeinsamer Verantwortung abgestimmt zu führen und in Richtung Zukunft zu entwickeln.

Weitere Boxenstopp-Termine sind notwendig, um die Zusammenarbeit nachhaltig auf hohem Level zu halten.

Abschließend bringen wir die 5 wichtigsten Tipps zur Führung globaler Teams auf den Punkt:
  1. Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation! – je nach Angelegenheit die Wahl des passenden Kommunikationskanals: Skype, Phone, Mail oder Face-to-Face
  2. Unterstützende virtuelle Arbeitsmedien wie zum Beispiel Trello, Doodle, Join.me, Google Hangout, Customized Intranet Tools (Facebook for Workplace)
  3. Persönliche Meetings mindestens zweimal im Jahr im gesamten Team, im Führungsteam mindestens einmal pro Quartal
  4. Frühzeitig agieren, wenn sich Spannungen und Konflikte zeigen und diese offen ansprechen
  5. Offenheit im Team der (interkulturellen) Vielfalt von Beginn an fördern und Zeit investieren, damit sich die verrschiedenen Standorte besser kennenlernen können

Sie wollen Ihr Führungsteam fit für globale Führung machen?
–    Lesen Sie hier mehr zu unserem Angebot für Leadershipteams
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–    Individuelles Führungskräfte-Coaching oder Beratung/Supervision finden Sie hier.

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